Initiativ

Eine Stelle auf Lebenszeit

Innerhalb von zehn Jahren haben rund 25 Mitarbeiter mit einer Arbeitsbeeinträchtigung den Sprung von einer Beschäftigung in einer sozialen Werkstätte zu einer regulären Stelle bei Stoffels Bleijenberg geschafft. Es ist das greifbare Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Reinigungsunternehmen und Orionis Walcheren. „Es ist großartig, dass diese Menschen bei uns endlich eine Stelle gefunden haben. Und noch besser ist, dass sie auch zukünftig für uns arbeiten werden“, meint Linda Claus, Ambulante Objektleiterin und VSR-Qualitätsinspektorin bei Stoffels Bleijenberg.

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Es begann als kleines Projekt. Mitarbeiter des Berufsausbilders LétÉ wurden durch das Reinigungsunternehmen Stoffels Cleaning zu Reinigungskräften ausgebildet und durften anschließend die Räumlichkeiten dieser sozialen Werkstätte reinigen. Beide Unternehmen setzten ihr Wachstum fort. Die Namen änderten sich. Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen blieb jedoch intakt. Oder besser gesagt: Sie wuchs mit. Und so sah Linda Claus, wie das Projekt, das sie vor mehr als zehn Jahren mit der Vorgesetzten/Betreuerin Debbie Vane in Angriff genommen hatte, zum Erfolg wurde. „Als LétÉ mit dem Sozialamt und der Kredietbank Walcheren fusionierte, gab es plötzlich mehr Gebäude zu reinigen“, erzählt sie. „Danach zeigten sich auch externe Kunden interessiert. Es war also an der Zeit für den nächsten Schritt: die feste Einstellung der Mitarbeiter von Orionis.“ Die Mitarbeiter mit einer Indikation für eine soziale Stelle wurden entsandt.

Kleben geblieben
In der Zwischenzeit sind rund 25 Männer und Frauen zu Stoffels Bleijenberg gewechselt. „Ein Großteil von ihnen arbeitet noch immer für uns“, betont Linda. „Ja, eine ist ausgeflogen. Sie bekam bei uns den bekannten Anstoß und begann dann, ihren Traum zu verwirklichen. Sie absolvierte eine Verwaltungsausbildung und ist jetzt bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschäftigt. Aber eine große Anzahl ist ‚kleben geblieben‘. Und das ist etwas Besonderes, denn bei der Reinigung ist es oft ein Kommen und Gehen von Mitarbeitern. Das ist auch das Schöne an dieser Zusammenarbeit: Wir dienen mehreren Zwecken. Zunächst können Sie bei uns ausprobieren, ob die Reinigung etwas für Sie ist. Wenn Sie sich dann hier zu Hause fühlen, werden Sie eine Stelle auf Lebenszeit haben. Vielleicht werden Sie aber auch feststellen, dass die Reinigung nicht Ihr Ding ist. Dann hoffen wir, Sie hier zu motivieren, Arbeit in einer anderen Branche zu suchen. Und bis Sie diese Stelle gefunden haben, haben Sie die Chance, sich bei uns zu beweisen und sich weiterzuentwickeln. Und darauf können Sie aufbauen.“

Teamarbeit
Linda und Debbie haben viel Energie in die Motivation und Führung der Mitarbeiter gesteckt, die über Orionis nach Stoffels Bleijenberg gekommen sind. „Wenn man sie anfangs sehr intensiv betreut und dann gar nicht mehr, fallen sie in alte Gewohnheiten zurück. Dann meldet sich eines Tages jemand ab, weil er oder sie verschlafen hat. Einen Tag später ist die Schwelle zur Abmeldung noch niedriger. 'Ich fühle mich nicht so gut' reicht dann schon aus, um noch einen Tag zu Hause zu bleiben. Damit würde so jemand das Team jedoch im Stich lassen. Denn wenn ein Mitarbeiter nicht arbeiten kann, muss der Rest besonders hart ran. Wir betonen daher stets, dass Reinigung Teamarbeit ist. Sie brauchen es nicht so sehr für Stoffels Bleijenberg zu tun, solange sie es füreinander tun.“

Sozialarbeit
Manchmal berührt Lindas Coaching-Tätigkeit sogar die Sozialarbeit. „Bei uns arbeiten einige alleinerziehende Eltern. Arbeit ist wichtig. Sie müssen aber auch für ihre Kinder da sein. Es ist dann ein Balanceakt zwischen dem einen und dem anderen. Das wacklige Gleichgewicht kann durch alles Mögliche gestört werden: ein Kind mit Lernschwierigkeiten, eine heranwachsende Tochter, die Gefahr läuft, in die Macht eines Loverboys zu geraten, Schulden, die sich anhäufen... um nur einige Beispiele zu nennen. Dann versuchen wir zu helfen, so gut wir können. Zum Beispiel durch Berücksichtigung der Situation einer Person. Angenommen, eine Mitarbeiterin ist von der Lebensmittelbank abhängig. Und sie darf jeden Freitagmorgen dorthin fahren. Dann sorgen wir dafür, dass sie an diesem Morgen nicht eingeplant wird. Helfen beinhaltet aber auch, auf die Sozialbehörden hinzuweisen. Ist jemand in finanziellen Schwierigkeiten? Dann kann Budget-Coaching durchaus zur Lösung beitragen. Wenn ich eine Lösung suche, kann ich mich immer auf Debbie stützen, die selbst auch alleinerziehend ist. Sie war von Anfang an an diesem Projekt beteiligt und konnte sich daran hochziehen. Sie ist Gold wert. Dadurch schaffen wir es immer wieder, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Trotz der Probleme sind alle diese Leute immer noch in unserem Team.“

Maschinen-Manager
Die nachhaltigen Beschäftigungsverhältnisse unterstreichen die Motivation und das Engagement dieser Mitarbeiter. Aber was ist, wenn Sie wirklich sehr gerne eine normale Arbeitsstelle wollen, das aber zu hoch gegriffen ist? Auch dann liegen Sie bei Stoffels Bleijenberg richtig. „Wir haben hier vier Mitarbeiter von Orionis, die supermotiviert sind, aber sehr eingeschränkt in dem, was sie können. Wir untersuchen auch bei ihnen, was machbar ist, und passen die Arbeit derart an, dass es dennoch gelingt. Denn jeder hat gewisse Fähigkeiten. Wenn man ein Auge dafür hat, bekommt man im Gegenzug Mitarbeiter, die nie aufgeben, nie ausfallen. Hier läuft beispielsweise jemand herum, der es großartig findet, um mit einem Schrubberautomaten zu arbeiten. Den haben wir zum ‚Maschinen-Manager‘ ernannt. Zweimal in der Woche darf er große Sporthallen und einmal in der Woche das Atrium im Rathaus schrubben. Eigentlich braucht ein solcher Raum nur zweimal im Jahr geschrubbt zu werden, aber er tut es jede Woche. Dafür konnte ich Stunden einrichten. Und so sorgt er immer wieder dafür, dass die Böden superordentlich aussehen. Er darf sogar tagsüber schrubben, so dass die Leute ihn bei der Arbeit sehen können. Jeder ist begeistert, er ist ganz vorne mit dabei. Und er ist mächtig stolz. Ist das nicht wunderbar!“

Unsere SDGs

SDG 8: Decent work and economic growth SDG 10: Reduce inequality SDG 17: Partnerships for the goals

Anja de Boo-van Uijen

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